Bohnenregal · Geschmack

Entkoffeinierter Kaffee, der nach Kaffee schmeckt

Röstgrad: mittel · Koffein: entkoffeiniert · Preis: 9 bis 25 € je 250 g

Entkoffeinierter Kaffee hatte lange einen miesen Ruf: dünn, bitter, mit diesem Beigeschmack von nasser Pappe. Das lag selten am fehlenden Koffein. Schuld waren meist alte Ware und Röstereien, die den Decaf lieblos mitlaufen ließen. Heute läuft die Entkoffeinierung deutlich schonender, mit Wasser, mit CO2 oder mit Ethylacetat aus Zuckerrohr. Gut gemachte Decafs schmecken darum nah am Original: Schokolade, Nuss, bei helleren Röstungen auch Frucht. Damit das in deiner Tasse ankommt, musst du beim Kauf genauer hinschauen als bei normalem Kaffee. Decaf verzeiht wenig. Frische, Verfahren und Röstgrad entscheiden, ob du Kaffee trinkst oder nur eine blasse Erinnerung daran.

Worauf es ankommt

Schau zuerst nach dem Entkoffeinierungsverfahren. Steht es auf der Packung, ist das ein gutes Zeichen, denn Röstereien, die sauber arbeiten, schreiben es hin. Drei Verfahren solltest du kennen. Swiss Water arbeitet nur mit Wasser und Aktivkohlefiltern und lässt den Geschmack weitgehend in Ruhe. Das CO2-Verfahren löst das Koffein mit Kohlendioxid unter Druck heraus, ebenfalls sehr schonend. Beim Zuckerrohr-Verfahren übernimmt Ethylacetat die Arbeit, ein Stoff, der bei der Fermentation von Zuckerrohrmelasse entsteht. Diese Bohnen bringen oft eine leicht süßliche Note mit. Alle drei liefern gute Ergebnisse, keins davon hat das alte Chemie-Image verdient. Die EU regelt den Rest: Entkoffeiniert darf sich nur nennen, was höchstens 0,1 Prozent Restkoffein enthält.

Noch wichtiger als bei normalem Kaffee ist das Röstdatum. Die Entkoffeinierung macht die Zellstruktur der Bohne poröser. Sie nimmt beim Rösten schneller Farbe an und verliert danach schneller ihre Aromen. Ein Decaf, der seit acht Monaten im Supermarktregal liegt, riecht beim Öffnen nach wenig und schmeckt nach noch weniger. Genau daher kommt der berüchtigte Pappgeschmack. Kauf darum bei Anbietern, die ein Röstdatum auf die Packung drucken, und nimm lieber kleine Mengen, die du in vier bis sechs Wochen aufbrauchst. Rechne mit etwa 8 bis 10 Euro je 250 g, die Entkoffeinierung kostet die Rösterei schließlich einen Arbeitsschritt mehr.

Beim Röstgrad fährst du mit einer mittleren Röstung am besten. Sehr dunkle Decaf-Röstungen kaschieren oft müde Bohnen, dann schmeckst du nur noch Röstbitterkeit. Zu hell wiederum wirkt bei Decaf schnell dünn, weil ein Teil der Säurestruktur im Verfahren verloren geht. Netter Nebeneffekt: Viele Decafs sind von Natur aus milder, ähnlich wie säurearme Bohnen. Für Espresso im Vollautomaten funktioniert Decaf ebenfalls, achte dann auf Bohnen, die als Espressoröstung ausgewiesen sind. Die Kriterien decken sich weitgehend mit denen für normale Espressobohnen im Vollautomaten.

Unsere Empfehlungen für entkoffeinierten Kaffee

Hier entsteht das Regal. Wir prüfen gerade die ersten Röstereien und Bohnen. Sobald eine Empfehlung unsere Kriterien besteht, steht sie hier mit Name, Rösterei, Begründung und Preis.

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Typische Fehlkäufe und wie du sie vermeidest

Decaf, der ewig im Regal lag

Entkoffeinierte Bohnen altern schneller als normale, weil das Verfahren die Zellstruktur öffnet. Was bei frischem Kaffee nach sechs Monaten passiert, passiert hier oft schon nach drei. Im Supermarkt steht Decaf gern lange, weil er sich langsamer verkauft als das übrige Regal. Das Ergebnis riechst du sofort: Die Packung duftet kaum, der Kaffee schmeckt flach und pappig. Achte auf ein Röstdatum statt nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Fehlt beides oder liegt die Röstung Monate zurück, lass die Packung stehen.

Keine Angabe zum Entkoffeinierungsverfahren

Wenn auf der Packung nur das Wort entkoffeiniert steht und sonst nichts, weißt du nicht, wie das Koffein aus der Bohne kam. Röstereien, die mit Swiss Water, CO2 oder dem Zuckerrohr-Verfahren arbeiten, schreiben das fast immer dazu, weil diese Verfahren Geld kosten und Vertrauen schaffen. Schweigt die Packung, steckt dahinter oft schlicht die günstigste Massenware, bei der niemand über Herkunft und Verarbeitung reden will. Geschmacklich landest du damit selten gut. Ein einziger Satz auf dem Etikett trennt hier sorgfältige Arbeit von anonymer Ware.

Sehr dunkle Röstungen, die alles zudecken

Manche Anbieter rösten ihren Decaf besonders dunkel, bis die Bohnen ölig glänzen. Das hat einen Grund: Röstbitterkeit überdeckt zuverlässig, was der Bohne an Frische oder Qualität fehlt. Dazu kommt, dass entkoffeinierte Bohnen im Röster schneller Farbe annehmen und darum leicht überröstet werden. In der Tasse bleibt dann nur noch Asche und Bitterkeit, egal wie gut der Rohkaffee mal war. Greif lieber zu mittleren Röstgraden. Dort schmeckst du, was die Bohne wirklich kann, und merkst auch, wenn etwas nicht stimmt.

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Häufige Fragen

Wie wird Kaffee entkoffeiniert?

Heute sind drei Verfahren üblich. Beim Swiss-Water-Verfahren zieht Wasser das Koffein aus den Rohbohnen, Aktivkohlefilter fangen es ab. Das CO2-Verfahren nutzt Kohlendioxid unter hohem Druck als Lösungsmittel, das anschließend rückstandsfrei entweicht. Beim Zuckerrohr-Verfahren löst Ethylacetat das Koffein, ein Stoff, der aus fermentierter Zuckerrohrmelasse gewonnen wird und auch natürlich in Früchten vorkommt. Alle drei Verfahren arbeiten an der ungerösteten Bohne und erhalten den Geschmack deutlich besser als die Methoden früherer Jahrzehnte.

Wie viel Koffein ist in entkoffeiniertem Kaffee noch enthalten?

In der EU darf sich Röstkaffee nur entkoffeiniert nennen, wenn er höchstens 0,1 Prozent Restkoffein enthält. In der Praxis bedeutet das: Eine Tasse Decaf kommt auf etwa 1 bis 5 Milligramm Koffein, eine normale Tasse Filterkaffee dagegen auf rund 80 bis 120 Milligramm. Komplett koffeinfrei ist Decaf also nicht, aber die Restmenge ist so klein, dass sie im Alltag kaum ins Gewicht fällt.

Schmeckt man den Unterschied zwischen Decaf und normalem Kaffee?

Bei frischem, gut geröstetem Decaf fällt der Unterschied klein aus. Schokoladige und nussige Noten kommen fast unverändert durch, nur die feine Säure und etwas Körper gehen im Verfahren leicht verloren. Im direkten Vergleich nebeneinander erkennen geübte Trinker den Decaf meist, im Alltag ohne Vergleichstasse dagegen selten. Der berüchtigte Pappgeschmack stammt fast immer von alter Ware oder sehr dunkler Röstung, nicht vom fehlenden Koffein.

Für welche Zubereitung eignet sich entkoffeinierter Kaffee?

Grundsätzlich für alle: Filter, French Press, Vollautomat und Siebträger. Wichtig ist, dass die Röstung zur Methode passt. Für Espresso brauchst du eine als Espressoröstung ausgewiesene Decaf-Bohne, für Filterkaffee eher eine hellere bis mittlere Röstung. Beim Espresso lohnt etwas Geduld beim Einstellen, denn entkoffeinierte Bohnen sind poröser und extrahieren schneller. Oft hilft ein etwas feinerer Mahlgrad, bis die Tasse süß und rund schmeckt.

Geschmacks- und Verträglichkeits-Hinweise auf dieser Seite sind Erfahrungswerte, keine medizinischen Aussagen.